Rundfunk und Politik

Der Rundfunk und das Fernsehen war nie nur ein reines Unterhaltungsinstrument. Mehr oder weniger wurde versucht, auch politische Inhalte zu verbreiten oder gar bestimmte politische Richtungen zu befördern oder zu behindern. Auch reine gewerblich finanzierte Sender sind nicht frei von politischer Einflußnahme.

 

Weimarer Republik

 

Zur Zeit der Einführung  in Deutschland war der Rundfunk von der Senderseite her privatwirtschaftlich organisiert. Der Staat erteilte Firmen und oder Unternehmen  Sendelizenzen. So war der erste Rundfunksender in Berlin 1923 ein Bestandteil der Vox-Maschinen Firmengruppe (auch Voxhaus) und trat unter dem Namen "Funkstunde" an die Öffentlichkeit. Programm-verantwortlich war also nicht eine Anstalt des öffentlichen Rechts so wie heute, sondern ein Privat-Unternehmen.

 

hdr1931.jpgAuch weitere Rundfunksender, die in den folgenden Jahren hinzukamen, waren privatwirtschaftlich organisiert. Direkte staatliche Einflussnahme war so bestenfalls bedingt möglich. In der Regel entschieden die Unternehmen, die die Sender betrieben über das Programmangebot, die Sendezeiten und Sendeorte.

 

In den Jahren nach 1923 entwickelte sich der Rundfunk Schritt für Schritt. War 1923 noch unter dem Zeichen der Hyper-Inflation zu sehen (kaum jemand konnte sich die teuren Geräte leisten) stiegen doch bald die Hörerzahlen an.

 

Die jährlichen Funkausstellungen zeigten dem Publikum die rasante technische Entwicklung auf. Trotzdem blieben Radios bis Ende der Weimarer Republik recht teuer und standen zumeist nur  kaufkräftigen Schichten der Bevölkerung zur Verfügung.

 

 

 

Die Jahre 1933-1945

 

ve_werbung.gifNach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 wurde auf staatlichen Einfluss der privatrechtliche Rundfunk in einen Staatsrundfunk gewandelt. Hier nahmen die politisch Verantwortlichen (Reichspropagandaministerium) konkret die Programmgestaltung, die Auswahl der handelnden Personen und die Verbreitungsmöglichkeiten preiswerter Endgeräte (Volksempfänger) in die Hand.

 

1936.jpgInsbesondere der damalige Propagandaminister Josef Goebbels erkannte die Beeinflussungsmöglichkeiten des Rundfunks auf große Bevölkerungsschichten. In jedem Haushalt sollte ein Radio verfügbar sein, um so unmittelbar die "Volksgenossen" mit der NS-Weltanschauung vertraut zu machen. Der Volksempfänger und später der Deutsche Kleinempfänger sind Beispiele für diese Strategie. Bis in die Betriebe hinein wollte man die politischen Parolen verbreiten (Arbeitsfrontempfänger). Die Olympiade 1936 in Berlin wurde intensiv für Propaganda genutzt.

 

Das Publikum verlangte nach musikalischer Unterhaltung im Zeitgeschmack (Tanzmusik, Operette, Oper, Konzerte) und sonstiger leichter, aber auch gehobener Unterhaltung (Theateraufführungen, Hörstücke, Lesungen, Vorträge). Gern wurde das "Hafenkonzert" gehört und in den Kriegsjahren die "Weihnachtsringsendung". Die Ringsendung sollte den Eindruck eines direkten Kontakts mit den Soldaten an den Fronten erwecken. Es wurde zum Teil so getan, als wenn man Verbindungsschaltungen aufgebaut hatte. Später wurde der Rundfunk auch zum Luftlage-Meldesystem, um die Bevölkerung auch auf diesem Weg vor einfliegenden Bomberverbänden zu warnen. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs dominierten Sendungen mit Durchhalteparolen und bewußter Ablenkung von der Kriegslage. Unabhängige realistische Kriegslage-Nachrichten verbreitete der Rundfunk kaum, der "Wehrmachtsbericht" im Rundfunk mit seinen Sondermeldungen (zum Teil heroisch eingeleitet mit "Les preludes" von Franz Liszt) zeigte immer mehr nur ein verzerrtes Abbild der Wirklichkeit. Nicht wenige Menschen versuchten über "Feindsender", wie z.B. Radio London an nicht zensierte Informationen zu kommen. Das Abhören von Radio London war streng verboten, wer dabei erwischt wurde, setzte sein Leben aufs Spiel.

 

Die Jahre ab 1945

 

Die ersten Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Deutschland unter Besatzungsrecht, das Land war in vier Besatzungszonen geteilt: Amerikanische Zone, sowjetische Zone, britische Zone, französiche Zone. Schnell zeichneten sich unterschiedliche politischen Ansätze heraus. In den "Westzonen" ging der Weg in Richtung zu einem regierungsfernen unabhängigen Rundfunk, organisiert in diverse Rundfunkanstalten des öffentlichen Rechts. Privatrechtliche Rundfunksender waren nicht vorgesehen.

 

Durch die unterschiedliche politische Sichtweise der West- und Ostmächte bildete sich bald eine Konkurrenz-Situation heraus. Insbesondere im  viergeteilten Berlin wurde das deutlich. Der Berliner Rundfunk (unter sowjetischer Kontrolle) verbreitete eben auch diese sowjetische Weltanschauung. Das führte in den Westsektoren zur Gründung des Senders RIAS (Vorläufer DIAS). Dieser politische "Kampf" um die Hörerschaft endete erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands nach 1990.

 

ard.jpgBundesrepublik Deutschland. Bald nach Gründung der Bundesrepublik wurde die ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland) vom BR, HR, NWDR, RB, SDR, (RIAS) ins Leben gerufen. Politischer Einfluß durch Bundesregierung und Landesregierungen sollte weitgehend eingeschränkt werden. Indirekt war aber auch über die Benennung der Mitglieder der Ausichtsgremien in den Rundfunkanstalten ein gewisser parteiplitischer Einfluß nicht ausgeschlossen. Der Rundfunk in der BRD und DDR wurde bald Bestandteil der politischen Auseinandersetzung im "Kalten Krieg". Sendungen, wie z.B. Panorama boten unabhängigen Journalismus und deckten (teilweise zusammen mit der Presse) politische Skandale auf und bildeten somit zusammen mit der Presse die "vierte Gewalt" im Staat.

 

deutsches_fernsehen.jpg1952 kam zum klassischen Rundfunk das Fernsehen hinzu, das sich über die Jahre hinweg zum primären Informations- und Unterhaltungsmedium entwickelte. Die im Rundfunk übertragene Fußballweltmeisterschaft 1954 mit dem deutschen Sieg war ein stark gemeinschaftsstiftendes Ereignis, Reporter Herbert Zimmermann "... Schäfer nach innen geflankt - Kopfball – abgewehrt - aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt! – Toor! Toor! Toor! Toor! ...". Um 1960 versuchte die Regierung unter Führung des Bundeskanzlers Konrad Adenauer unabhängig von der ARD eine mehr unter "Kontrolle" der Regierung stehendes "Deutschland-Fernsehen" zu schaffen. Das Bundesverfassungsgericht blockierte dieses Vorhaben.  

 

zdf-magazin.jpg1963 ging das ZDF (Zweites Deutschen Fernsehen) on air (gegründet von einem Zusammenschluß der Bundesländer). Es stellte unabhängig von der ARD ein bundesweites Fernsehprogramm zu Verfügung. Die ARD begann ab 1964 mit dem Aufbau der "dritten Fernsehprogramme", die zuerst eine Art Bildungsfernsehen, zunehmend aber auch ein Programmangebot mit regionalem Bezug anboten. Das "Dritte" wurde in den Regionen von den jeweiligen ARD-Anstalten verantwortet. Politische Fernseh-Magazine, wie z.B. das "ZDF-Magazin" von und mit Gerhard Löewenthal  trugen eine der Sichtweisen auch über die DDR dem Publikum vor. Das ZDF-Magazin (1969-1988) war wohl eine Art Hauptgegner der DDR-Fernsehsendung "Der schwarze Kanal" von Karl Eduard von Schnitzler.

 

In den achtiger Jahren des vorigen Jahrhunderts setzten politische Kreise die rechtlichen Möglichkeiten für ein werbefinanziertes kommerzielles Fernsehen (auch Rundfunk) durch. Es entstanden so eine Vielzahl von zusätzlichen Rundfunk- und Fernsehsendern. Das aufkommende Kabelfernsehen und das Satellitenfernsehen ließ diese Programmvielfalt zu. Eine Folge des nunmehr breiten Fernsehangebots war der Zurückgang der Zuschauerrekorde. Das Publikum verteilte sich mehr auf die verschiedenen Sender.

 

dff1.jpgDeutsche Demokratische Republik. Rundfunk und Fernsehen unterstanden direkter staatlicher (Partei-) Kontrolle. Ein davon unabhängiger Programminhalt war quasi ausgeschlossen. Deutlich stärker als in der Bundesrepublik war Rundfunk und Fernsehen ein "Kampfinstrument" des "Kalten Kriegs".

 

the-black-channel.jpgAls Beispiel für diese Auseinandersetzung kann der "Schwarze Kanal" mit Karl Eduard von Schnitzler genannt werden, einer Sendung die aber wahrscheinlich nicht zu den beliebtesten Programmen gehört haben mag. In der Bundesrepublik war sozusagen der Gegenspieler die Sendung "ZDF-Magazin" von und mit Gerhard Löwenthal (siehe weiter oben). Viele DDR-Bürger erkannten die fehlende Unabhängigkeit des Mediums und versuchten Nachrichten und Kommentare vom West-Radio und Westfernsehen zu erhalten.

 

Westliche Sender wurden inhaltlich angegriffen und auch durch technische Maßnahmen gestört. Beispiel RIAS und Radio Free Europe, beides Anstalten unter amerikanischer Verwaltung. Diese Sender konterten ebenfalls mit technischen Maßnahmen (Erhöhung der Sendeleistung, verbesserte Nahfeldantennen, Kurzwellenprogramm, weitere Sendestandorte).

 

Brieflicher / telefonischer Konkakt von DDR-Bürgern insbesondere zu diesen Anstalten, konnte zu strafrechtlicher Verfolgung führen.

 

 

Nach 1989: Das wiedervereinte Deutschland.

 

rbb.jpgmdr.jpgDie "neuen" Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen wurden in die ARD-Struktur der "alten" Bundesrepublik eingepasst. Nach einigen Diskussionen kam Mecklenburg-Vorpommern zum NDR, Brandenburg (ORB) zusammen mit Berlin (SFB) zum neuen RBB *, Sachsen-Anhalt und Thüringen und Sachsen vereinigten sich zum MDR *. (* = Neugründungen durch Zusammenlegung)

 

Ausserhalb der ARD-Rundfunkanstalten gab es den "westdeutschen" Deutschlandfunk (einem nationalen Rundfunk-Sender mit gesamtdeutschen Programmauftrag),  den "westberliner"  RIAS (einem unter Führung der USA stehenden Sender) und den Sender DS Kultur (Deutschlandsender Kultur, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR). Diese Sender wurden zum Deutschlandradio (DLR) zusammengeführt und als nationaler Sender weitergeführt.

 

Die privaten werbefinanzierten Sender etablierten sich ebenfalls auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Die Programminhalte sind eher unterhaltungsorientiert. Anders als in den Jahren des rein öffentlich-rechtlichen Fernsehens, verlieren dessen Politik-Magazine an Zuschauerzahlen, eine Folge auch des großen unpolitischen Programmangebots.

 

dradio_wissen.jpgNach 1990 begann der Wandel des Rundunks und des Fernsehens von einem analogen zum digitalen Medium.  Die versuchte und teilweise erfolgreiche Einführung des digitalen Satalliten-Radios, des Satelliten-Fernsehens, des terresrischen Fernsehens DVB-T und des Digitalradios DAB. Diese Umstellung erfolgte / erfolgt auf politischen Willen, noch teilweise am Publikum vorbei.

 

Die neue Technik ermöglicht unter anderem ein größeres Programmangebot, dass beispielsweise der Deutschlandradio mit einem "nur" über DAB und Internetradio empfangbaren Rundfunkpramm DRADIO WISSEN mit Bildungsinhalt nutzt.  mehr.jpg

 


 


 

 

 

Weitere Informationen auf der WEB-Seite MDR / DRA: 75 Jahre Radio

 

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