Das "Haus des Rundfunks" (HdR)

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Ein Baudenkmal

 

Die Berliner Rundfunkgesellschaft Funk-Stunde residierte seit Sendebeginn am 29. Oktober 1923 im Vox-Haus, Potsdamer Str. 4. Der Sendebetrieb spielte sich von Anfang an unter beengten räumlichen Verhältnissen ab, obwohl im Laufe der Zeit die Studios größer wurden. Doch die Raumnot war mit dieser Vergrößerung der Studiokapazität nicht beseitigt.

 

In dieser Situation nahm die RRG das Angebot der Stadt Berlin an, in unmittelbarer Nähe des Messegeländes in Berlin-Charlottenburg ein neues Funkhaus zu errichten. Der erste Schritt war, im Jahr 1927, die Ausschreibung eines Wettbewerbs, an dem sich vier Architekten beteiligten, unter ihnen Prof. Hans Poelzig aus Berlin. Das zu bebauende Gelände zwischen Soorstraße, Bredtschneiderstraße und Masurenallee hatte die Form eines gleichschenkligen Dreiecks mit einer Länge von 170 m und einem Höhenunterschied von 3 m. Die Gesamtfläche betrug 14 361 m². Gefordert waren:

a) 2 große Sendesäle von je 30 X 45 m Grundfläche und 10 m Höhe, in Hoflage zur Fernhaltung des Straßenlärms (später wurde dies in einen großen und zwei mittlere Sendesäle spezifiziert);

b) einige kleinere Studios;

c) Probenräume und Garderoben für Solisten und Chor;

d) Räume für die technischen Einrichtungen;

e) möglichst viele Büros für Ein- und Zwei-Mann-Betrieb;

f) Haupteingang an der Masurenallee.

(in: Fritz L. Büttner, Das Haus des Rundfunks in Berlin, Berlin 1965)

 

Den 1. Preis des Wettbewerbs gewann Hans Poelzig, einer der damals renommiertesten Architekten Deutschlands (IG-Farben-Bau in Frankfurt/M., Reinhardts großes Schauspielhaus, das Capitol-Kino und die Ausstellungsbauten in Berlin, der Konzertsaal in Breslau). Sein prämiierter Entwurf war aber nicht der, der letztendlich ausgeführt wurde, obwohl er im April 1929 daraufhin die Auftragserteilung erhielt. Gebaut wurde ein 3. Entwurf, dessen Grundsteinlegung am 29. Mai 1929 erfolgte.

 

Kleiner Senderaum im Haus des Rundfunks um 1932

Das Haus des Rundfunks (HdR) war, nach München, das zweite für Rundfunkzwecke errichtete Gebäude in Deutschland und ein kühner Entwurf: Der Frontbau an der Masurenallee hat 151m Länge, im Mittelteil ist er fünfgeschossig, an den Seiten viergeschossig. Die Form des Grundstücks aufnehmend setzte Poelzig zwei gekrümmte Randbauten an: Im 1. Entwurf hatten sie unterschiedliche Länge (91 m an der Bredtschneiderstraße und 78 m an der Soorstraße). Ihre Verbindung sollte von einer Gartenanlage erreicht werden. Im 2. Entwurf wurden die Randbauten „in Richtung ihres Schnittpunktes weitergeführt, jedoch nicht zusammengebracht, sondern durch einen rechteckigen Trakt mit Probenräumen und Fluren verbunden.“ (ebenda) Im 3. und ausgeführten Entwurf ließ Poelzig den Frontbau nahezu unverändert, führte jedoch die zwei Randbauten konsequent in einer Spitze zusammen. Im Front- und den Randbauten sind die Büroräume untergebracht, die dadurch drei radial angeordnete, voneinander getrennte Studiokomplexe im Innern des Gebäudedreiecks in genialer Weise vom Außenlärm abschotten. Die große fünfgeschossige und trapezförmige Eingangshalle im Frontbau, der sog. Lichthof, ist der zentrale Raum; von hier aus verteilen sich alle Gänge. Die Architektur dieses Zweckbaus galt damals als revolutionär und sie entspricht auch heute noch den technischen Erfordernissen.

 

Nach der Einweihung am 22. Januar 1931 schrieb die Architekturzeitschrift „Bauwelt“ über das HdR: „Das neue Berliner Funkhaus hat eine 150 m lange Haupt-Schauseite, ist aber nur rd. 17m hoch, der mittlere Teil um 3,5 m höher ... Die Schauseite ist in 60 Achsen aufgeteilt, nur die Eckpfeiler sind wesentlich verbreitert. Vor die Pfeiler treten die Fensterumrahmungen kaum merklich vor, die Fenster liegen wenig zurück, Gesimse fehlen, nur ein zartes Hauptgesims gibt einen Abschluß, kaum einen Schatten ... Poelzig hat andere als die in der Baukunst unserer Zeit üblichen Mittel verwendet. Die Fugen sind hell verstrichen, bilden damit ein zartes Netz. Die Fenster haben dunkle, also kaum bemerkte Zargen, aber gelblichweiße Kämpfer, die eine kräftige, waagerechte Teilung ergeben. Die beiden Treppenhäuser sind gelb gestrichen und so hell, daß sie als Farbflecken wirken, heller und wärmer als das Mauerwerk, und durch die Fenster sieht man die wärmsten Farben: rechts ein rotes Treppengeländer, links ein grünes. Die Farbe der Mauern? Die Flächen sind Klinker, je nach der Beleuchtung zwischen bläulich, grün, silbrig schimmernd, die Umrahmungen der Fenster und die Brüstungen sind mit großstückigen, glasierten Platten bekleidet: von Schwarz durch alle Abstufungen, über Braun bis zum Gelb, zum Teil unter einem weißlichen Schleier ... Trifft das Sonnenlicht auf die Platten, dann wirft es auf ihnen einen Widerschein hervor, der besonders zur Mittagszeit sich bis zur aufregenden Lebendigkeit steigert. Dann leuchtet der Bau... Poelzig ... hat einen Mitarbeiter gewonnen, die Sonne, die diese, seine neue Leistung, zu einem unerhörten Höhepunkt heutigen Bauens macht.“ (1931, H. 16).

 

Poelzig starb 1936, von den Nazis verfemt. Sein bedeutendstes Bauwerk wurde 1957 vom Sender Freies Berlin (SFB) bezogen und am 1. Dezember 1958 unter Denkmalschutz gestellt.

 

HDR 1955. Britische Militärpolizei

Das „Haus des Rundfunks“ wurde 1955 zur „Heißen Kartoffel“

 

Unser ehemaliger Vereinsvorsitzende Werner Goldberg erinnert sich: Es gab manche Merkwürdigkeiten in der ersten Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin. Dazu gehörte auch, dass das „Haus des Rundfunks“, 1929 von Hans Poelzig erbaut, zu den zentralen Versorgungseinrichtungen der sowjetischen Besatzungszone gerechnet wurde. Daher hatten es die alliierten Siegermächte, obwohl es im britischen Sektor lag, der sowjetischen Besatzungsmacht überlassen. Diese installierte dort zunächst den „Berliner Rundfunk“. Mit den Vorbereitungen zur Spaltung Berlins verließ dann auch diese sowjetische lizenzierte Sendeanstalt das Haus in der Masurenallee, um in den Ostsektor umzuziehen. Die Sowjets besetzten das Gebäude durch eine Wachtruppe der „Roten Armee“, die mittels Autobus regelmäßig abgelöst wurde. Schon lange waren immer wieder Unkundige, die den Rundfunk Westberlins in diesem Gebäude vermuteten, Gefahr gelaufen, inmitten des britischen Sektors von Berlin plötzlich auf sowjetischem Besatzungsgebiet zu sein, wenn sie das Haus betraten. So war es vorgekommen, dass Sowjetzonenflüchtlinge dort verhaftet und in den Sowjetsektor verbracht worden waren. Die britische Schutzmacht sah schließlich Anlass, das Gebäude mit einem Stacheldrahtverhau abzusperren und auch Warnschilder anzubringen: „Achtung! Dies ist kein Westberliner Sender. Die Westberliner Sender sind NWDR, Heidelberger Platz 3, RIAS, Kufsteiner Str. 69“. Lediglich eine Zufahrt für die Wachtruppe war an der Bredtschneiderstraße offen geblieben. Allerdings hatte die britische Militärpolizei dort einen Transportanhänger mit einer Kette an das Tor angeschlossen, der bei Bedarf von einem britischen Posten gelöst und dann von einem Jeep weggezogen wurde.

 

Das war der Zustand dieser sowjetischen Enklave im britischen Sektor Berlins, als ich im Jahre 1955 von dem ersten Nachkriegs-Intendanten des Sender Freies Berlin, Alfred Braun, zu seinem persönlichen Referenten berufen worden war. Der SFB hatte als Nachfolger des NWDR seinen Sitz in dem ehemaligen Gebäude des Fachverlages Springer am Heidelberger Platz.

 

Im gleichen Jahr besuchte mich dort der Repräsentant einer Schallplattenproduktionsfirma, der mir schon lange bekannt war und den ich wegen seiner stets aktuellen Einfälle und seines ldeenreichtums sehr schätzen gelernt hatte. Er erzählte mir von einem Vorhaben seiner Firma, das Philharmonische Orchester Leningrads, das Weltruf besaß, zu einer Gastspielreise nach Deutschland zu bringen. Im Rahmen der zu schließenden Verträge sollten auch Schallplattenaufnahmen vorgesehen werden. Hierbei war eine Kooperation mit dem Rundfunk geplant. Leider war in Berlin kein geeigneter Raum vorhanden, um Veranstaltung, Übertragung und Aufnahmen durchzuführen. Ich musste damals erwidern, dass der Sender wohl kaum in der Lage sein könnte, dabei zu helfen, da wir unsere Musikaufnahmen in einem Gemeindesaal in Zehlendorf und einer Kirche in Grunewald machen müssten. Da mir das ganze Objekt jedoch sehr reizvoll erschien, berichtete ich dem Intendanten Alfred Braun von dem Gespräch. Er teilte meine Skepsis, äußerte jedoch zugleich die Idee, den großen Sendesaal des alten Funkhauses an der Masurenallee dafür vorzuschlagen. Wir kannten zwar den Zustand im Inneren des Hauses nicht, aber nach dem Krieg hatte bereits am 18. Mal 1945 eine Unterhaltungsveranstaltung des „Berliner Rundfunks“ dort stattgefunden. Der SFB könnte seine mobile Übertragungstechnik zur Verfügung stellen. Ich übermittelte das meinem Gesprächspartner, der von dem Vorschlag fasziniert war. Er erbot sich, mit der sowjetischen Militäradministration Verbindung aufzunehmen. Bereits wenige Tage später suchte er mich erneut auf, um mir mitzuteilen, dass die Sowjets bereit seien, den Sendesaal im Haus des Rundfunks zur Verfügung zu stellen.

 

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Ich gab zu bedenken, dass das in dieser Form kaum funktionieren würde. Schließlich müssten ja außer den Fluchtwegen und Zugängen auch Garderoben und Toiletten verfügbar gemacht werden. Dazu gehören Heizung, Wasser-, Kanal- und Elektroversorgung. Außerdem sei es kaum vorstellbar, dass ein Konzert des SFB und Bandaufnahmen mit Publikum unter der Aufsicht und Anwesenheit bewaffneter sowjetischer Rotarmisten stattfinden könne. Es wurde daher verabredet erneut mit der sowjetischen Kommandantur Kontakt aufzunehmen, um diese Bedenken zu erörtern.

 

Ich wurde kurz darauf davon unterrichtet, dass die sowjetischen Militärbehörden bereit seien, über die Freigabe des ganzen Hauses zu verhandeln. Der sowjetische Botschafter bei der DDR, der zugleich Hoher Kommissar in Deutschland war, habe zu einer Besprechung darüber eingeladen.

 

Mit diesem Wissen suchte ich nach Unterrichtung des Intendanten den für die Staatsaufsicht über den Rundfunk zuständigen Senator für Volksbildung, Prof. Dr. Tiburtius, auf. Dieser erteilte daraufhin seinem persönlichen Referenten den Auftrag, zusammen mit mir die Senatskanzlei und den dort für die Angelegenheiten der Besatzungsmächte zuständigen Chef des Protokolls, Dr. Günther Klein, zu unterrichten. Der Senator selbst sah die Angelegenheit – insbesondere in politischer Hinsicht – für sehr bedeutend an. Gerade deswegen empfand er sich jedoch dafür nicht mehr kompetent. Da kam mir zuerst der Begriff der „heißen Kartoffel“ in den Sinn. Diese Assoziation sollte sich dann aber noch weiter verstärken.

 

Gemeinsam fuhren wir zum Rathaus Schöneberg. Wir verpassten jedoch den Protokollchef um Sekunden, weil er den in Berlin gewählten Bundespräsidenten zum Flughafen Tempelhof begleiten musste. Es gelang uns, mit unserem Wagen in die bereits in Bewegung gesetzte Kolonne des Bundespräsidenten zu schlüpfen und so unbehelligt auf den amerikanischen Teil des Flughafens zu gelangen, wo wir den Abflug der Maschine abwarten und den Protokollchef dann abfangen konnten. Am Rande des Rasens des Tempelhofer Feldes machten wir ihn nun mit dem sowjetischen Angebot vertraut. Er konnte und wollte es jedoch nicht glauben, dass es sich um eine Realität handelte, die seriösen Hintergrund hatte. Seine erste Reaktion war, dass er – während wir an der Startbahn auf und ab gingen – laut darüber nachdachte, welcher Art dieses „Ei“ wohl sein könnte, das uns die Sowjets in unser Nest legen wollten. Welche Probleme es für uns bringen würde, und weshalb sich die Sowjets plötzlich von dem Funkhaus trennen wollten. Welcher Kuckuck von uns auszubrüten sein würde, wenn wir auf das Angebot eingingen. „Heiße Kartoffel“ schoss es mir erneut durch den Kopf! Mein Argument, dass die Sowjets Ihr Angebot doch nur zu veröffentlichen brauchten, um das Ei in unser Nest gelegt zu haben, überzeugte schließlich. Wir kamen überein, sofort den Regierenden Bürgermeister, Dr. Suhr, im Rathaus aufzusuchen, um ihn zu informieren. Zusammen mit dem Chef der Senatskanzlei empfing uns der Regierende Bürgermeister und wieder erwies sich nach meinem Vortrag das „Haus des Rundfunks“ als „heiße Kartoffel“. Niemand wollte sie anfassen, und niemand wollte sie fallen lassen! Salomonisch wurde uns verkündet, dass zunächst einmal etwas schriftlich zu Papier gebracht werden müsse, bevor man sich weitere Gedanken dazu machen wollte. Natürlich konnten wir nicht für die sowjetische Kommandantur sprechen, aber wir sagten zu, den Versuch zu machen, ein solches Papier zu bekommen.

 

hdr4.jpgDa von den Sowjets mündlich auch Gespräche über andere Themen, die Berlin betreffen, angeboten worden waren, ermächtigte uns der Regierende Bürgermeister zugleich, seine Bereitschaft zu solchen Gesprächen zu signalisieren. Wegen der Statuswahrung von Berlin wurde einer Unterredung mit dem sowjetischen Hohen Kommissar in Deutschland, nicht aber mit dem Botschafter bei der DDR zugestimmt. Diese Hürde war schon deshalb leicht zu nehmen, weil es eine Personalunion beider Funktionen gab. Zweifellos handelte es sich beim Funkhaus um eine Angelegenheit der Militäradministration. Damit stand einem Besuch im Sowjetsektor nichts mehr im Wege. Ein im Hauptmannsrang stehender Offizier der Roten Armee stand dort als Dolmetscher zur Verfügung. Er wurde vom Hohen Kommissar zugleich mit Vollmachten ausgestattet, Kontakt zum Senat von Berlin aufzunehmen. Dabei sollte er für alle Detailfragen zuständig sein, auch für die Abwicklung einer Übergabe des Funkhauses. Die von uns erbetene schriftliche Mitteilung wurde sofort verfasst und uns in englischer und russischer Sprache übergeben. Die besagte in der englischen Fassung, dass die sowjetische Militäradministration bereit sei, das Haus des Rundfunks unverzüglich an die „Western Authorities“ zu übergeben. Auf meine Frage, wer denn mit diesem Begriff gemeint sei, konnte ich keine verbindliche Auskunft erhalten. Als mündlich vorgetragene Bedingung fügten die Sowjets hinzu, dass sie unser Versprechen entgegennehmen, über den Zustand des Hauses keinerlei Presseveröffentlichungen erfolgen zu lassen.

 

Zum besseren Verständnis muss ich einfügen, dass die Rechtslage über die Eigentumsverhältnisse des Funkhauses und damit für eine Kompetenz äußerst kompliziert war. Die Besatzungsmächte hatten bei Kriegsende den gesamten Rundfunk mit seinen Anlagen in Deutschland unter ihre Kontrolle gestellt. 1947/48 verfügten die Westalliierten dann in ihren Zonen, dass der Rundfunk wieder in deutsche Hände übergehen sollte. Länderrundfunkanstalten wurden gegründet und von den alliierten Mächten durch Besatzungsorder verfügt, dass Anlagen und Einrichtungen des Rundfunks diesen neu gegründeten Anstalten zu übereignen seien. Ausgenommen wurden lediglich alle die Anlagen, die von alliierten Besatzungsmächten in Anspruch genommen wurden. Die RRG i. L. (Reichs-Rundfunk-Gesellschaft in Liquidation) verwaltete Vermögen der ehemaligen RRG, soweit es von dem Besatzungsdekret nicht erfasst war. So war es nun unklar, ob sich die alliierten Anordnungen nur auf ihr Erscheinen 1947/48 bezogen oder ob sie auch danach galten. Im Falle des Haus des Rundfunks in Berlin sollte nun 1955/56 die alliierte Inanspruchnahme durch die sowjetische Besatzungsmacht aufgegeben werden. Die Liegenschaften und Anlagen befanden sich im britischen Sektor von Berlin. Es war also nahe liegend, die britische Besatzungsmacht um eine Klärung zu bitten, ob ihre damalige Anordnung nun auch für die Rückgabe des Funkhauses Geltung habe oder nicht. Es war durchaus denkbar, dass mit der Freigabe aus alliierter Hand zum jetzigen Zeitpunkt auch eine Zuständigkeit der RRG i. L. gegeben sein würde. Falls die frühere Anordnung fortgelten sollte, hätte auch eine Übergabe an den SFB in Betracht kommen können. Dieser Sender hat jedoch zum Zeitpunkt des Erlasses noch gar nicht bestanden. Die Souveränitätserklärung der Westmächte ließ auch eine Zuständigkeit der Landesregierung, also des Senats von Berlin, denkbar erscheinen.

 

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Ich erinnere mich sehr gut, dass diese rechtlichen Gegebenheiten sehr unterschiedlichen Interpretationen und Beurteilungen zugänglich waren. Für mich stand jedoch schon damals fest: Eine andere Verwendung als für den Rundfunk hätte man sich in Berlin kaum vorstellen können. War doch dieses Haus für Rundfunk konzipiert und gebaut worden. Und entsprach es nach über 25 Jahren noch immer modernen Ansprüchen, die an ein Funkhaus zu stellen sind.

Diese Situation legte es nahe, das sowjetische Papier zunächst dem britischen Stadtkommandanten vorzulegen. Dieser erklärte jedoch seine Nichtzuständigkeit. „Heiße Kartoffel“! Da ohne eine schriftliche Äußerung das nirgendwo und von niemandem geglaubt worden wäre, erfüllte der Stadtkommandant wenigstens die Bitte, dem Papier seinen Sichtvermerk zuzufügen. Damit konnte nun der Senat konfrontiert werden, und der Regierende Bürgermeister lud den Beauftragten der sowjetischen Militäradministration in das Rathaus Schöneberg ein. Dieser überbrachte an Dr. Suhr eine Einladung nach Karlshorst und wiederholte das Angebot, dort nicht nur über das Funkhaus, sondern auch über andere, ganz Berlin betreffende Fragen zu sprechen. Dr. Suhr nahm die Einladung an und fuhr an einem Sitzungstag des Abgeordnetenhauses – einem Donnerstag – mit seinem Stab nach Karlshorst. Das Ergebnis dieser Gespräche dort ist sowohl dem Protokoll des Abgeordnetenhauses als auch einer Rundfunkaufnahme zu entnehmen, die von dieser Sitzung gemacht wurde. Direkt aus Karlshorst zurückgekehrt, berichtete Dr. Suhr noch während der Sitzung über das Ergebnis der Gespräche in Karlshorst: Das Haus des Rundfunks wird wieder in deutsche Hände übergeben.

 

Die freie Presse hielt sich natürlich nicht an die Zusage, keine Berichte über den Zustand des Hauses zu veröffentlichen. Das wurde mir gegenüber dann auch von den Sowjets gerügt Es war schwer, ihnen klar zu machen, dass sich die gegebene Zusage nur auf offizielle Verlautbarungen beziehen konnte. Eigene Recherchen, die dann zu Veröffentlichungen führten, entzogen sich unserem Zugriff.

 

hdr7.jpgAm 5. Juli 1956 erfolgte dann schließlich die Übergabe des Hauses. Nicht an den SFB, auch nicht an die RRG i. L., sondern an den Senat von Berlin. Der Hauptmann der Roten Armee, der schon bei Beginn der Gespräche eine wesentliche Vermittlerrolle gespielt hatte, übergab am von den Briten inzwischen geöffneten Tor an der Bredtschneiderstraße das Haus des Rundfunks an den Chef des Protokolls des Landes Berlin, Dr. Klein.

 

Ein Bus der roten Armee nahm die Wachsoldaten auf und verließ das Gründstück zum letzten Male in Richtung sowjetischer Sektor von Berlin. Die kleine Menschenansammlung in der Straße winkte ihnen zu und sie winkten zurück. Viele Berliner hegten die Hoffnung, dass nun ein neues Kapitel der Beziehungen zur sowjetischen Besatzungsmacht aufgeschlagen worden sei.

 

Sehr schnell verbreitete sich sodann das Gerücht, dass der Senat beabsichtige, das Funkhaus für die Unterbringung von Behörden zu nutzen. Die gewaltigen Schäden im und am Gebäude ließen den SFB zögern, sich um eine Inbesitznahme zu drängen. Er wäre nicht in der Lage gewesen, die Kosten aufzubringen, die die notwendigen Instandsetzungen verschlingen mussten.

 

Schließlich wurde dann aber, dank des Geschickes des späteren Verwaltungsdirektors Herbert Koch, eine Regelung gefunden, die das Haus wieder seinem ursprünglichen Zweck zuführte. Ab 1957 konnte der SFB einziehen, auch Deutschlandfunk und Deutsche Welle erhielten dort ihr Domizil. Auf dem angrenzenden Grundstück wurde später das Fernsehzentrum des SFB hinzugefügt, mit dem sich das Areal des SFB am Theodor-Heuß-Platz abrundet.

 

(c) Deutsches Rundfunk-Museum, 1991. Fotos: DRM-Fotoarchiv

 

Goldberg / EX / RST 06.12.2009

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